Eine Collage aus verschiedenen Werbeanzeigen, die einen Mann bei der Arbeit mit einem Kind, eine Person mit einem Laptop im Schwimmbecken, Menschen mit Tierhüten, Lebensmittelfotos und Werbetexte zeigen.

vier Inside /​/​ Warum Kampagnen wirken – Part 2

Werbung möchte gesehen werden – Marken möchten erinnert werden.

Gerade in der heutigen schnell­le­bigen Zeit, in der ständig neue Produkte, neue Trends, neue Themen aufpoppen, ist Bestän­digkeit ein wertvolles Gut. Die abertau­senden Eindrücke jeden Tag ballern uns mit unzäh­ligen Botschaften zu, die es am Ende für die Betrachter:innen richtig zuzuordnen gilt. Ansonsten geht die Wirkung komplett verloren. In diesem heraus­for­dernden Spannungsfeld sorgen Kampagnen für die nötige Orien­tierung.  

Das, was eine starke Marke so wertvoll macht, lässt sich in einem kurzen Satz sehr gut zusam­men­fassen: „Das kenne ich.“ Genau, es geht um die Wieder­erkennung. So muss eine starke Kommu­ni­kation nicht jedes Mal erklären, von wem sie kommt. Die Sprache, die Haltung, die Bildidee, der wieder­keh­rende Gedanke geben Betrachter:innen sofort Orien­tierung und sie wissen direkt, wer mit ihnen spricht. Dadurch ist die Wahrschein­lichkeit, dass sie etwas genauer hinschauen, deutlich höher.

Wer immer wieder etwas anderes erzählt, muss die Aufmerk­samkeit jedes Mal neu gewinnen. Darum baut eine Kampagne auf dem vorhe­rigen Kontakt auf. Die Gestaltung, die Sprache, die Haltung und die Idee zahlen immer wieder auf dasselbe Bild der Marke ein. Dabei ist nicht wichtig, dass jedes Motiv gleich aussieht. Wichtig ist, dass jedes Motiv sich nach derselben Marke anfühlt. So müssen Kund:innen auch nicht jedes Motiv bewusst gesehen haben, um die Verbindung herzu­stellen. Entscheidend ist das Gefühl: Das kenne ich. Das gehört zu dieser Marke.

Kampagne vs. ähnliche Anzeigen.

Das, was eine Kampagne von einer Serie ähnlich ausse­hender Motive unter­scheidet, ist die eine große Idee. Wenn der Unter­schied noch nicht ganz deutlich wird, hilft es, sich die Ideen­suche zu Beginn genauer anzuschauen.

Eine Kampagne beginnt nicht mit der Frage:
„Was posten wir als Nächstes? Was passt zu unseren vorhe­rigen Sachen?“

Sie beginnt mit der Frage:
„Welcher Gedanke ist groß genug, um immer wieder neu erzählt zu werden?“

Gesucht wird nämlich eine Kampa­gnenidee, die nicht nur einmal funktio­niert. Sie muss sich weiter­denken, zuspitzen, auf unter­schied­lichen Kanälen erzählen lassen.

Kampagnen holen einen aus der Vergleich­barkeit.

Produkte können austauschbar sein. Leistungen und Features lassen sich vergleichen. Preise werden ständig und überall verglichen. Es gibt sogar extra Webseiten dafür. Wer da heraus­stechen möchte, muss etwas finden, was kaum bis gar nicht verglichen werden kann. Etwas Eigen­stän­diges.

Deutlich schwerer zu kopieren ist die Art, wie eine Marke die Welt sieht. Eine eigene Haltung, eine eigene Sprache, ein eigener Humor und eine eigene Perspektive. Genau hier kommen Kampagnen ins Spiel. Sie machen diese Eigen­stän­digkeit sichtbar. Richtig umgesetzt, übersetzen sie eine Marken­stra­tegie in Kommu­ni­kation, die Menschen tatsächlich erleben können. Und Marken­bildung beginnt. Darum kommu­ni­ziert eine starke Kampagne immer über den Produkt­vorteil hinaus und macht dadurch den Marken­cha­rakter sichtbar.

Autor: Michael Nipp – Text/​Konzeption
Fotografie: vierdi­men­sional
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