vier Inside // ChatGPT Ads: Werbung in der KI-Recherche
ChatGPT Ads im Fokus: Mehr als nur ein neues Werbeformat?
Die digitale Customer Journey verändert sich. Potenzielle Kunden suchen längst nicht mehr ausschließlich bei Google nach Produkten, Dienstleistungen und Lösungen. Immer häufiger beginnt die Recherche direkt in KI-Anwendungen wie ChatGPT. Nutzer stellen konkrete Fragen, lassen sich Produkte empfehlen, vergleichen verschiedene Optionen und treffen erste Entscheidungen. Und das mitten im Dialog mit der künstlichen Intelligenz.
Genau hier setzen ChatGPT Ads an. Mit dem neuen Werbeformat entsteht ein zusätzlicher Kontaktpunkt in der Customer Journey: nicht erst dann, wenn ein Nutzer auf eine klassische Suchanzeige klickt, sondern bereits während der Recherche und Entscheidungsfindung.
Doch was genau steckt hinter ChatGPT Ads? Wie funktionieren die Anzeigen, für wen eignen sie sich und welche Rolle können sie im bestehenden Marketing-Mix spielen?
Was sind ChatGPT Ads und wie funktionieren sie?
ChatGPT Ads sind ein neues Werbeformat von OpenAI, das Werbung direkt in die KI-gestützte Recherche integriert. Die Anzeigen werden in passenden Gesprächsumfeldern ausgespielt und orientieren sich am jeweiligen Kontext und der Nutzerintention.
Anders als bei klassischen Suchanzeigen steht dabei nicht ein einzelnes Keyword im Mittelpunkt. Entscheidend ist vielmehr, worüber der Nutzer gerade mit ChatGPT spricht und welches Anliegen hinter seiner Anfrage steckt.
Die Anzeigen erscheinen visuell getrennt von der eigentlichen ChatGPT-Antwort und werden eindeutig als „Sponsored“ gekennzeichnet. Die Antwort der KI wird durch die Werbung nicht beeinflusst. Damit ähneln ChatGPT Ads auf den ersten Blick klassischen Native-Advertising-Formaten. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch im Umfeld: Die Werbung erscheint nicht irgendwo im Internet, sondern genau in dem Moment, in dem sich ein Nutzer aktiv mit einer Fragestellung beschäftigt.
Wie werden ChatGPT Ads ausgespielt?
Die Ausspielung erfolgt kontextbasiert. ChatGPT berücksichtigt also das Gesprächsumfeld und die konkrete Fragestellung des Nutzers, um passende Werbung auszuspielen.
Bei der Ausspielung der Ads gelten einige wichtige Grundsätze:
- Anzeigen erscheinen unterhalb bzw. im Umfeld einer relevanten Antwort und sind eindeutig als „Sponsored“ gekennzeichnet.
- Werbung und organische ChatGPT-Antwort bleiben voneinander getrennt.
- Die Anzeigen beeinflussen nicht die Antwort der KI.
- Anzeigen werden nur in geeigneten Gesprächsumfeldern ausgespielt.
- Sensible Themenbereiche wie beispielsweise Gesundheit, Politik oder Waffen sind ausgeschlossen.
Vor dem Start einer Kampagne sollten deshalb immer die aktuellen Werberichtlinien und die Zulässigkeit des jeweiligen Angebots geprüft werden.
Für wen eignen sich ChatGPT Ads?
ChatGPT Ads sind besonders spannend für Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen erklärungsbedürftig sind oder bei denen Nutzer vor dem Kauf intensiv recherchieren.
- E-Commerce und Direktverkauf
Für Online-Shops bieten ChatGPT Ads großes Potenzial. Nutzer formulieren konkrete Produktbedürfnisse, fragen nach Empfehlungen oder suchen nach Alternativen. Genau hier können Marken präsent sein, beispielsweise dann, wenn ein Nutzer bereits verschiedene Produkte miteinander vergleicht. Besonders interessant sind deshalb Produktfeeds mit aktuellen Informationen zu Produkttiteln, Beschreibungen, Preisen, Bildern und Verfügbarkeiten. - Erklärungsbedürftige Produkte und Marken
Je höher der Beratungsbedarf, desto relevanter kann ChatGPT als digitaler Gesprächspartner werden. Ob technische Produkte, komplexe Dienstleistungen oder Produkte mit vielen Auswahlmöglichkeiten: Nutzer können ihre Anforderungen direkt formulieren und sich Schritt für Schritt an eine Entscheidung herantasten. Für Marken entsteht dadurch die Möglichkeit, bereits während dieser Entscheidungsphase sichtbar zu werden. - B2B mit hohem Beratungsbedarf
Auch im B2B-Bereich ist Potenzial vorhanden. Gerade komplexe Kaufentscheidungen werden häufig durch umfangreiche Recherche vorbereitet. Allerdings ist die aktuell begrenzte Reichweite ein Faktor, den Unternehmen berücksichtigen sollten. Da ChatGPT Ads zunächst nur in den Free- und Go-Tarifen ausgespielt werden, ist der Kanal für bestimmte B2B-Zielgruppen möglicherweise weniger relevant.
ChatGPT Ads als neuer Touchpoint im Marketing-Mix
ChatGPT Ads sollten nicht als Ersatz für Google Ads, Paid Social oder SEO verstanden werden. Vielmehr geht es darum, einen zusätzlichen Kontaktpunkt zu schaffen.
Während SEO langfristig organische Sichtbarkeit aufbaut und Google Ads Nutzer bei konkreten Suchanfragen erreicht, können ChatGPT Ads dort ansetzen, wo Nutzer Fragen stellen, Optionen vergleichen und Entscheidungen vorbereiten.
Damit entsteht eine interessante Ergänzung für den Upper- und Mid-Funnel.
Gerade die zunehmende Nutzung von KI für Recherche und Informationsbeschaffung macht diesen Kanal interessant. Wenn Nutzer ihre Kaufentscheidungen zunehmend im Dialog mit KI vorbereiten, sollte auch das Marketing dort präsent sein.
Wie wird der Erfolg von ChatGPT Ads gemessen?
Auch bei ChatGPT Ads gilt: Ohne sauberes Tracking lässt sich keine belastbare Aussage über den Kampagnenerfolg treffen.
Zu den wichtigsten Kennzahlen gehören unter anderem:
- Impressionen
- Klicks
- Klickrate (CTR)
- CPC
- CPM
- Conversions
Über UTM-Parameter lässt sich der Traffic zudem in bestehenden Analytics-Systemen wie GA4 auswerten. Dabei sollte jedoch nicht ausschließlich auf Last-Click-Conversions geschaut werden. Gerade bei einem Kanal, der Nutzer während der Recherche und Entscheidungsfindung erreicht, können auch andere Signale relevant sein. Dazu gehören beispielsweise qualifizierter Traffic, Micro-Conversions, Assisted Conversions oder Veränderungen bei Brand Searches. Das Ziel sollte deshalb sein, nicht nur den einzelnen Klick zu betrachten, sondern den Einfluss von ChatGPT Ads auf die gesamte Customer Journey.
Reichen ChatGPT Ads als neuer Werbekanal aus?
Die kurze Antwort: Nein.
ChatGPT Ads sind kein Ersatz für eine ganzheitliche digitale Marketingstrategie. Vielmehr ergänzen sie bestehende Kanäle wie Google Ads, SEO und Social Media um einen weiteren relevanten Touchpoint.
Google Ads erreicht Nutzer, die aktiv nach bestimmten Produkten oder Lösungen suchen. SEO sorgt für langfristige organische Sichtbarkeit. Social Media schafft Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken. ChatGPT Ads setzen dort an, wo Nutzer mit einer KI recherchieren, vergleichen und Entscheidungen vorbereiten.
Die Stärke liegt deshalb vor allem in der Kombination.
Unser Fazit: ChatGPT Ads bringen Werbung in den Moment der KI-Recherche
Mit ChatGPT Ads entsteht ein neuer Kontaktpunkt im digitalen Marketing. Werbung wird nicht erst dann relevant, wenn ein Nutzer eine klassische Suchmaschine öffnet und auf eine Anzeige klickt. Sie kann bereits während der KI-gestützten Recherche sichtbar werden – genau dann, wenn Fragen gestellt, Produkte verglichen und Kaufentscheidungen vorbereitet werden.
Besonders für E-Commerce-Unternehmen und Anbieter erklärungsbedürftiger Produkte kann dieser neue Kanal interessant sein. Gleichzeitig sollten die aktuell begrenzte Reichweite, das noch junge Werbeökosystem und die bestehenden Branchen- und Targeting-Einschränkungen berücksichtigt werden.
Für uns steht deshalb fest: ChatGPT Ads sind kein Ersatz für Google Ads, SEO oder Paid Social. Sie sind eine spannende Ergänzung im Marketing-Mix und vor allem ein Kanal, den Unternehmen jetzt beobachten und strategisch vorbereiten sollten.
Denn eines wird immer deutlicher: Die Suche verändert sich. Und mit ihr der Moment, in dem Marken sichtbar werden müssen.